DTM - Timm 1000 London Blend

Tabakreviews

DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon Preusse » Mo 24. Dez 2018, 13:03

Werte Freunde im Rauch,
an anderer Stelle hatte ich ja meinen neulichen Neuzugang erwähnt, den Timm 1000 London Blend von DanPipe (als Distributor).
Dazu möchte ich euch meine Eindrücke nicht vorenthalten. Ich habe den Tabak vor knapp zwei Jahren schon einmal geraucht, er ist dann aber durch andere ebenfalls interessante Tabake etwas aus dem Fokus gerutscht. Das habe ich geändert, in Anbetracht der angenehmen Erinnerungen die ich an ihn hatte.
Aus dieser Erinnerung heraus hat sich nicht viel geändert, in Nuancen würde ich ihn heute anders einschätzen.
Wie dem auch sei, ein kurze Zusammenfassung soll hier genügen, um die Latakiaaffinen unter Euch zumindest neugierig zu machen, wenn nicht sogar zu verführen.

Die Herstellerbeschreibung vermeldet zunächst folgendes:

Eine volle, dunkle "After Dinner Mixture” mit sehr hohem Latakia-Anteil, Orient aus Izmir und Zimbabwe-Virginia.

Besonders weich und von ausgezeichneter geschmacklicher Tiefe. "Full Strength”


Das klang vielversprechend, denn Latakia und Orient klingen in meinen Ohren immer gut.

Der Tabak kommt im Kunststoffbeutel in Würfelform zu je 250 gr. daher und ist gut, aber nicht zu stark gepresst. Er läßt sich mit wenig Aufwand im Beutel auflockern und dann umfüllen. Die Beutel sind nicht wiederverschließbar. Das Umfüllen empfiehlt sich auf jeden Fall über einer großen Schüssel, es bröselt schon in alle Richtungen. Der Tabak fühlt sich für meine Begriffe etwas trocken an, allerdings nur im Vergleich Vergleich mit dem Squadron Leader von SG, und dass der eher zu naß ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Im Vergleich zum Fayyum oder anderen HU-Tabaken, die ich bislang geraucht habe, ist er nicht viel trockener.

Das Tabakbild ist tendenziell eger zum Schwarzen neigend, mit einigen bräunlichen Sprenkeln dazwischen. Es finden sich auch längere Tabakstreifen darunter, der ein oder andere "Baum" muss zurechtgestutzt werden.

Timm 1000.jpg
Timm 1000.jpg (76.06 KiB) 528-mal betrachtet


Der Duft ist latakiatypisch, erdig, kräftig. Das an sich so bekannte Pferdestallaroma ist nicht so vordergründig. Noch nicht!
Aufgrund seiner Konsistenz läßt sich der Tabak aber recht gut stopfen, die Gefahr, ihn zu verpappen ist eher gering. Der ein oder andere widerspenstige Tabakstreifen muss zurecht geknickt werden, aber das fühlt man recht gut.
Gestopft wird wie immer, unten wie ein Kind, in der Mitte wie eine Frau und den Rest mit dem dicken Daumen ordentlich angedrückt.

Der Tabak nimmt die Flamme sofort an, bäumt sich ein bisschen (also ist er doch feucht ;) ) und bröselt beim Andrücken. Nach der zweiten Zündung aber bildet sich schnell eine gleichmäßige Glutschicht, auch ohne, dass riesige Anrauchschwaden die Sicht vernebeln. Hier ist gleich ein bisschen Vorsicht geboten, der Tabak mag es nicht so lebhaft, wenn man anfangs nicht mit Ruhe herangeht, kämpft man schnell mit heißem Tabak und dann auch gleich mal mit Kondensat. Aber das merkt man schnell und kann dem auch gut entgegenwirken, er ist nicht nachtragend.
Der Tabak hält die Glut ziemlich lange, ohne auszugehen, da kann man auch mal einen Moment innehalten. Wenn man von feuchteren Tabaken kommt, die anfangs etwas Zuwendung, vulgo: Durchzug, brauchen, sollte man hier das Bekannte zurücklassen und mit Zurückhaltung an die ersten Züge herangehen.

Geschmacklich ist der Tabak ein Archetyp der englischen Richtung. Schnell hat man das typische lederne, erdige und würzige Geschmacksbild im Mund, das nach dem ersten Schnuppern zu erwarten war. Und spätestens jetzt kommt es durch, das Pferdestallaroma. Das Schöne ist, dass alles recht gut aufeinander abgestimmt ist, keine Richtung tritt zu sehr nach vorne. Weder der Latakia noch der Orient haben die Oberhand, der Virginia stützt und gibt den Körper und ein ganz leichte Süße, die sich auch in der Raumnote wiederfindet. Es bleibt aber eine Latakiamischung und da dominiert der Latakia. Punktum.
Das wirkt alles sehr gut komponiert und abgestimmt. Man darf allerdings nicht erwarten, dass der Tabak eine opulente vielschichtige "Aromabombe" (nein, nicht Aromatenbombe!!!) ist. Kommt man von wuchtigeren Mischungen her, z.B. solche mit Perique, BC, Kentucky,Fire Cured Virginia, könnte man anfangs etwas dauerhafter auf der Suche nach dem Aroma sein. Aber das ist natürlich eine reine Frage der persönlichen Vorlieben. Man sollte es nur nicht von vorneherein erwarten, denn dann könnte man enttäuscht werden.

Anfangs konnte ich im Laufe der Füllungen einen leichten Hang zu einer sich ausbildenden Schärfe feststellen, der gegen Ende auftritt. Ich muss hier aber dem Tabak zu Gute halten, dass die Badehose nichts dafür kann, wenn der Bauer nicht schwimmen kann.
Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass das immer bei zu hastigem und/oder zu starkem Ziehen auftritt, also wenn ich zu ungeduldig, zu abwesend oder zu anwesend (je nachdem) bin.
Dieser Tabak eignet sich eindeutig zum Nippen, zu sehr kleinen Zügen. Also nicht zu dem "Maulvoll Rauch", dass man mit dafür geeigneteren Tabaken erlebt.

Beachtet man ein bisschen das oben geschriebene, belohnt einen der Tabak mit einem sehr langsamen, gemütlichen Abbrand, ohne, dass sich das Aroma verändern würde, ohne, dass man Überraschungen erlebt. Durch seine Konsistenz besteht keine Gefahr, dass der Tabak gegen Ende klumpt oder einen Pfropf bildet, er läßt sich tatsächlich langsam bis unten durchrauchen, zurück bleibt schwarzgraue Asche, im weiteren neigt der Tabak auch nicht zur Cakebildung.

Mich hat der Tabak ziemlich deutlich an den Da Vinci von C&D erinnert, den ich früher oft geraucht habe.

Die Raumnote ist überraschender Weise sehr odaliskentauglich, der Rauch ist nicht so schwer, wie z.B. der vom Squadron Leader, oder bei der Balkan Mixture von Huber, bei dem die Schwaden doch irgendwie "öliger" waren. Aber es ist völlig klar, Latakia bleibt Latakia und wird auch immer danach riechen.

Von der Stärke ist er nicht so schwer, aber das ist Latakia eh nicht. Man kann ihn problemlos den ganzen Tag durchgängig rauchen, ohne, dass er zu sehr sättigt.

In der Gesamtschau ist der Tabak für mich ein absoluter Lichtblick am Latakiafirmament und hat das Zeug zum Allday-Smoke. Handwerklich gut mit leichten Abzügen bei den sich findenden groben Tabakbäumen, aber gut abgestimmt und wer Latakiamischungen mag, sollte an dieser hier nicht grußlos vorbeigehen.

Gruß Jens
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon siebi » Di 25. Dez 2018, 07:53

Ganz tolle Rezension!
Danke für die morgendliche Kurzweil....Frohe Weihnachten!
LG und Gut Rauch
Jörg
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon Petephil » Mi 26. Dez 2018, 09:19

Sehr schönes Review, herzlichen Dank dafür. Ich hatte vor vielen Jahren mal etwas von Timm, damals noch in meinen Aromaten Jahren... oder war's vielleicht sogar einer der no names? Ich weiss es nicht mehr.
------------------
Gruss, Phil - You have to forgive me, it's not me, it's my mind, it's very slow, and I have to pin everything down. (Columbo)
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon Rainer » Do 3. Jan 2019, 00:19

Jens hat geschrieben:Wie dem auch sei, ein kurze Zusammenfassung soll hier genügen, um die Latakiaaffinen unter Euch zumindest neugierig zu machen, wenn nicht sogar zu verführen.

Hi Jens,

Darf ich dann mal freundlich fragen, wie die "lange Zusammenfassung" dazu ausgesehen haben könnte ? ;)

Egal, ganz herziges Review für alle Latakia Fans ! Fein ! Herzlichen Dank ! :D
Nun kennt man aus Lauenburg so manche Latakia-Kräutermischung, aber bei "Timm" war ich bislang immer bissel skeptisch... ...was du hiermit erfolgreich geändert hast ! :)

Also, meine persönliche Schlussfolgerung:
Timm 1000 London Blend verleiht Flüüügel ! :D
(Untertitel: Wer braucht da noch nen ollen Doppeldecker ? ;) )

Happy puffing,
Rainer
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon Preusse » Sa 5. Jan 2019, 15:20

Servus Rainer,
Rainer hat geschrieben:.....
(Untertitel: Wer braucht da noch nen ollen Doppeldecker ? ;) )...
Rainer

tempores mutant, nos in illos ;)
Ich habe die letzte Woche in Südfrankreich "nur" den Balkan vom Huber dabei gehabt und habe jetzt wieder ein Füllung Timm in der Stannie, beide habe ihre Qualitäten, aber der etwas nüchterneren Geradlinigkeit des Timm gebe ich derzeit den Vorzug, der Balkan ist opulenter, auch süßer, aber das ist ein bisschen wie eine Barockkirche: an sich toll anzusehen, aber zwischendurch muss es mal wieder was Gotisches sein.

Rainer hat geschrieben:
Jens hat geschrieben:Wie dem auch sei, ein kurze Zusammenfassung soll hier genügen, um die Latakiaaffinen unter Euch zumindest neugierig zu machen, wenn nicht sogar zu verführen.

Hi Jens,

Darf ich dann mal freundlich fragen, wie die "lange Zusammenfassung" dazu ausgesehen haben könnte ? ;)....

Happy puffing,
Rainer

das darfst Du schon, ich hätte mich noch trefflich über den Nachgeschmack, über einzelne Feststellungen zum Abbrand und/oder Geschmacksverhalten auslassen können, auch zu möglichen Veränderungen durch Befeuchten des Tabaks im Topf mittels Humidrole etc. hätte ich noch was schreiben können. Aber das wird m.E. nach zu subjektiv und vermutlich irgendwann auch zu spitzfindig und ausserdem soll der geneigte Interessent auch noch was zu entdecken haben ;)

Gruß Jens
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon Rainer » Sa 5. Jan 2019, 23:55

:D :D :D

auch zu möglichen Veränderungen durch Befeuchten des Tabaks im Topf mittels Humidrole etc. hätte ich noch was schreiben können. Aber das wird m.E. nach zu subjektiv und vermutlich irgendwann auch zu spitzfindig und ausserdem soll der geneigte Interessent auch noch was zu entdecken haben ;)

Genau ! ...dafür ebenso herzlichen Dank ! :)

Im letzten TPC vom NASPC gab es ein etwa 5-seitiges Epos von einem Knaben der Squadron Leader auf 12%, 14% und 16% Feuchte mittels Messgerät präzise eingestellt hat, und in Pfeifen der Größe "3, 4 und 5" :roll: geraucht hat, mit den jeweiligen Schlussfolgerungen... :roll:
Kurz: Flatulenz. :mrgreen:

Merci nochmals,
Rainer
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon Preusse » So 6. Jan 2019, 12:10

Servus Rainer,
Rainer hat geschrieben:....

Im letzten TPC vom NASPC ...
Rainer

gibt's das auch für Dummies übersetzt?
Und wer meint, am SL herumnesteln zu müssen soll sich doch einfach einen anderen Tabak kaufen. Der ist wie er ist (feucht!) und wem das nicht paßt kann ja was anderes rauchen...... :shock: ;)
Gruß Jens
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon Rainer » So 6. Jan 2019, 22:59

Hi Jens,

also dann...
Decoding:
TPC: The Pipe Collector
NASPC: North American Society of Pipe Collectors

Auf Grund des Urheberlandes sowie deren inhärente Autoren dürfte somit unmittelbar klar sein, dass man immer mal wieder Gelegenheit hat, höchst amüsante Smartass (Dt.: Schlauberger) Beiträge zu lesen. :mrgreen:
Ich kopier dir das mal, der Schmunzler auf deiner Seite ist das Papier allemal wert... :P

Stay tuned,
Rainer
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon aged tabac » Mo 7. Jan 2019, 17:48

Rainer hat geschrieben:Hi Jens,

also dann...
Decoding:
TPC: The Pipe Collector
NASPC: North American Society of Pipe Collectors

Auf Grund des Urheberlandes sowie deren inhärente Autoren dürfte somit unmittelbar klar sein, dass man immer mal wieder Gelegenheit hat, höchst amüsante Smartass (Dt.: Schlauberger) Beiträge zu lesen. :mrgreen:
Ich kopier dir das mal, der Schmunzler auf deiner Seite ist das Papier allemal wert... :P

Stay tuned,
Rainer


Servus Rainer,
Rainer hat geschrieben:Flatulenz
:D

Also mich würde dies auch interessieren. Schmunzeln musste ich allerdings schon wenn ich von 14 und 16 % wie oben lese.
11 - 11,5 - 12 und 12,5 % Feuchtigkeitsgehalt wären Tests ohne bei mir Schmunzeln zu erzeugen :mrgreen:

Waldemar
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Re: DTM - Timm 1000 London Blend

Beitragvon aged tabac » Mi 9. Jan 2019, 15:03

Servus beisammen

Einige scheint das Thema Feuchtigkeitsgehalt des Tabaks eher zu belustigen.

Nun ich hatte früher viel mit Landwirten zu tun. Und da geht es bei sogenannten Small Talks vor und während den Ernteperioden sehr stark um das Thema. Z.B. FG von Weizen.
Muss der zu feucht geerntet werden, geht das Trocknen desselben im Lagerhaus an die Geldbörse.
Beim Raucher evtl. nur zu Lasten des Genusses. :lol:

Da entwickelt man in der Praxis sehr bald FINGERSPITZENGEFÜHL :D



Rainer hat geschrieben::D :D :D

auch zu möglichen Veränderungen durch Befeuchten des Tabaks im Topf mittels Humidrole etc. hätte ich noch was schreiben können. Aber das wird m.E. nach zu subjektiv und vermutlich irgendwann auch zu spitzfindig und ausserdem soll der geneigte Interessent auch noch was zu entdecken haben ;)

Genau ! ...dafür ebenso herzlichen Dank ! :)

Im letzten TPC vom NASPC gab es ein etwa 5-seitiges Epos von einem Knaben der Squadron Leader auf 12%, 14% und 16% Feuchte mittels Messgerät präzise eingestellt hat, und in Pfeifen der Größe "3, 4 und 5" :roll: geraucht hat, mit den jeweiligen Schlussfolgerungen... :roll:
Kurz: Flatulenz. :mrgreen:

Merci nochmals,
Rainer


wahlloser Link zu einer Diskussion zu dem Thema
https://agrarheute.landlive.de/boards/t ... 77/page/1/

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