Huber - Balkan

Tabakreviews

Huber - Balkan

Beitragvon Preusse » Fr 31. Aug 2018, 12:36

Hallo zusammen,
wie ich anderen Ortes ja gestern schon bildhaft zum Ausdruck brachte, kam am Mittwoch abend ein kleines Päckchen aus München, gefüllt mit viel Latakia und anderen feinen Ingredienzien.
Dabei waren auch drei Döschen Huber Balkan. Um den soll es hier gehen.

Den Huber Balkan habe ich bereits vor einigen Jahren das erste Mal geraucht und war damals schon sehr angetan. Aus Gründen, die ich eigentlich gar nicht mehr nachvollziehen kann, ist der Tabak aus dem Fokus gerutscht und irgendwie in der Versenkung verschwunden. Jetzt war ich wieder mal am Stöbern und die alten Erinnerungen kamen wieder hoch, also flugs eine Bestellung getätigt und nach zwei Tagen hat's dann geklingelt.

Leider sind die Dosen mittlerweile durch diese unsäglichen Warnhinweise dermassen verschandelt, dass es vollkommen unsinnig ist, dazu was zu schreiben (warum tragen Politiker eigentlich keine Warnhinweise?? Achtung: der Umgang mit dieser Person kann Ihre persönliche Integrität und die ihrer Familie gefährden, oder so ähnlich.....)

Den Tabak gibt es nur als 100gr-Gebinde in der sog. "Malerdose". Die Dose schließt ausreichend gut, sodass auch diese Menge auf Dauer hinreichend frisch bleibt, ansonsten kann man sie ja teilen und in zwei alte 50gr-Döschen umpacken.
Nach dem Öffnen blickt man in sehr sehr dunkles, fast durchweg schwarzes Tabakbild. Der entströmende Duft ist, wenn man es mag, betörend. Natürlich Latakia, dazu ätherische Öle, Rauch, eine opulente Würzigkeit, schon fast zu dick ist das Feuerwerk, das einem da in die Nase steigt. Wer frisch geräuchterten Schwarzwälder Speck kennt, der etwas länger im Rauch hing, kann sich das besser vorstellen

Der Tabak ist beim Zugriff nicht zu trocken, drückt man ihn ein wenig, spürt man die Feuchtigkeit.

Er läßt sich gut stopfen, klumpt nicht und kann gut in kleinen Prisen eingebracht werden. Ich lege beim Stopfen keinen großen Wert auf Regeln, und das klappt auch bei diesem Tabak sehr gut. Unten leicht, oben kräftig.
Der Tabak brennt gut an, zwei Hölzchen und das war's. Was aber dann kommt, ist schon ein echter Klopper.
Hubers Balkan ist in der Tat, wie auf der Seite von Huber beschreiben, sehr opulent und gehaltvoll. Zunächst ist das einfach mal ein dickes Pfund Latakia, aber nicht schmal und eindimensional, sondern eingebettet in eine Vielzahl anderer Aromen, die sich im Einzelnen gar nicht so einfach erkennen und beschreiben lassen. Die ätherischen Noten, die man schon nach dem Öffnen der Dose in der Nase hatte, finden sich im Mund sofort wieder.
In der Beschreibung des Tabaks wird als Zutat u.a. "schwerer Perique" erwähnt, ein Tabak, mit dem ich eigentlich nicht so auf gutem Fuße stehe, gleichwohl übernimmt dieser hier augenscheinlich nicht die Aufgabe, hervorzustechen und dem Tabak eine eigene charakteristische Note zu geben, und müsste ich ihn herausschmecken, könnte ich nicht mit Gewisseheit sagen, dass er drin ist. Ich glaube, dass der Perique ausschließlich dazu dient, den Tabak im Zusammenspiel mit dem Black Cavendish gegen den Latakia abzurunden und gegen dessen Rauchigkeit ein leichte unterschwellige Süße entgegenzusetzen, was auch ausgezeichnet gelingt.

Der Balkan behält über die gesamte Dauer sein vollwürziges und kräftiges Aroma bei, so man ihn denn in Ruhe und ohne Hast raucht. Dann lieber die Pfeife nicht ganz füllen, als gegen Ende zu hetzen. Sonst wird er scharf und unangenehm.
Läßt man ihm diese Ruhe, dann brennt er langsam und vollkommen trocken ab. Kondensat konnte ich keines feststellen. Das Ende dieses opulenten Mahls fiel als kleines grau-schwarzes Häufchen in den Aschenbecher. Die Reiniger blieben beim anschließenden Durchziehen erstaunlich hell, was ebenfalls auf eine geringe Kondensatbildung hindeutet.
Zuwendung braucht der Tabak keine, so alle 20 Minuten ein bisschen glätten reicht aus. Ich habe ihn ein einer alten Kriswill geraucht, 21er Bohrung, 40er Tiefe, und die Füllung glimmte so knapp zwei Stündchen.

Auf den Punkt gebracht ist der Tabak für den geeignet, der Latakia so richtig mag, Kompromisse sind hier fehl am Platz.
Ich denke, für den Einsteiger in die Welt des Latakias ist er nicht geeignet, weil er einfach zu viel davon hat und man von der Kraft und Würze schnell überfordert und erschlagen sein dürfte.
Nota bene: der Tabak ist nicht stark, auch wenn das auf der Seite von Huber so beschrieben wird. Denn vom Nikotingehalt her ist er eher weiter unten anzusiedeln. Man kann ihn den ganzen Tag rauchen, ohne "satt" zu werden. Wenn, dann dürfte einem irgendwann der Gaumen sagen, dass es reicht.
Vergleichbar wäre er vielleicht mit dem Fayyum von HU, der hat auch dieses gerüttelt Maß an Latakia, jedoch geht der Balkan in den Untertönen in eine etwas andere Richtung. Aber mit Sicherheit kann gesagt werden, dass, wem der eine schmeckt, der andere auch zusagen wird.
Mit 20,30 €/100gr. ist der Tabak nicht allzuteuer, insbeondere vor dem Hintergrund, dass dieser Tabak weniger über die Zugabe jedwelcher Essenzen sein Aroma bekommt, sondern hauptsächlich durch die gekonnte Zusammensetzung und die Kunst des Kompositeurs.

Einem Latakialiebhaber sei er ans Herz gelegt, und auch wenn man leichtere Richtungen bevorzugt, kann hier ein Versuch nicht schaden.

Gruß Jens
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Re: Huber - Balkan

Beitragvon Rainer » Fr 31. Aug 2018, 22:10

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