Auflösung des Blindreviews: Probe 1

Tabakreviews

Auflösung des Blindreviews: Probe 1

Beitragvon PipeAJ » Di 21. Feb 2017, 23:40

Guten Abend,

ich mach' es mal anders herum - erst die Bewertungen und Beschreibungen der einzelnen Probanden und danach erst die Auflösung - macht die Sache vielleicht spannender :mrgreen:

Die Beschreibung von Rainer:

Vorwort:
Also, ehrlich gesagt, es macht einen Heidenspaß bei so einem Blindreview mitzumachen ! Echt ! :D
Man bekommt Tabak, von dem man nix weiß außer Nummer 1, 2 und 3...
Keine Hinweise auf der Verpackung, und keine Chance auf irgendwelche "Reviews", die irgendwie den Eindruck prägen könnten...
Nun muss ich auch noch gestehen, dass ich wenig darauf erpicht war herauszufinden, welcher Tabak das nun genau ist bzw. irgendwelche blumigen Beschreibungen zu finden... (der "tänzelnde" Perique geht mir dabei kaum aus dem Kopf... ;) ), geschweige denn irgendwelche DNA Analysen anzustellen, wobei eigentlich nur herauskommt dass der Mischmeister Paul Müller heißt, und dessen älteste Tochter gerade schwanger wurde (ein Umstand von dem sie selber noch nichts weiß !).
Also, dabei sein ist alles, und so fang ich mal an... angefangen hatte ich allerdings mit Tabak Nummero 3, denn der musste unbedingt schnell weg ! :o ... dazu später mehr...
Jetzt dann aber mal schön brav in Reihgenfolge...

Tabak Nr. 1:
Für mich ein völliges Rätsel !
Schwarz wie seiner Lordschaft's bzw. Lordschuft's Füße, relativ fein geschnitten, mit einem leicht säuerlichen Geruch, soweit es das Beutelchen hergab... aber auch was süßliches... geheimnisvolles... und ein leicht rauchiger Unterton, ob das nun Latakia ist oder nicht ?
Ob ich jetzt an bestimmte Zigarren-Hüllblätter denke, sei mal dahingestellt...
So rein optisch könnte man das Gebrösel auch in ein Teeei füllen und überbrühen... ist aber glaub ich keine gute Idee...
Jedenfalls, ein Großteil dürfte ein Black Cavendish und seine ähnlich malträtierten Virginiabrüder sein... der Rest hüllt sich in Schweigen.
Optisch ähnliche Tabake kenne ich von Rattray's, die sind aber deutlich "süßer"...
Also, geraucht ist der Tabak irgendwie "rauchig", weniger süßlich, und vereitelt irgendwie weitgehend den vermuteten Latakia-Anteil, und sollte wirklich welcher mit drin sein, dann recht wenig davon...
Samtig weich kommt er trotzdem rüber, mit einem leicht "weinigen" Unterton... also irgendeine alkoholische Essenz ist da drin, über die man aber erst Bescheid weiß, wenn man sie gelesen hat... ich bleibe mal bei "weinig"...
Wenn man ihn zu heiß raucht, schmeckt es plötzlich nach verbrannten Kartoffelschalen... also ein weiterer Hinweis auf einen Virginia-basierten Black Cavendish.
Brav geraucht ein recht leichtes, cremiges Rauchvergnügen, was der Dauerraucher gerne als "All-Day-Smoke" nehmen würde.
Da ich aber meist nur Abends Pfeife rauche... ...ist er mir zu leicht und zu brav, ohne dass ich sagen möchte dass er unspektakulär ist...
In Summe ein feines Kräutchen, das sicher nach 10+ Füllungen noch so manches Geheimnis offenbart.
Eine Dose davon könnte man sicher mal wegrauchen, so man wüsste welches Dösl man da kaufen muss... Ich weiß es nicht.

Rolf:

Testtabak 1
Diese Mischung duftet nach einer typischen englischen Mischung. Der Tabak ist im Ribbon-cut (~1mm) kurz- bis mittellang geschnitten und erscheint gut konditioniert, d.h., die Feuchte ist genau richtig zum Sofort-Rauchen. Das Befüllen ist unproblematisch. Ich habe zum Testen mit 3 Füllungen stets eine kleine NoName-Meerschaumpfeife (Billard) benutzt.
Die Farbe der Mischung ist insgesamt dunkel. Ich vermute Latakia, Cavendish, eventuell Orient aber wahrscheinlich kein Perique (?).
Beim Anzünden setzt sich der Latakia in den Vordergrund, aber im Hintergrund spielt eine gewisse „Cremigkeit“/Sanftheit mit, aus der ich auf Cavendish schließe, einen Hauch von Orient halte ich für möglich. Im ersten Drittel bleibt dieser Geschmack erhalten. Eine spezifische Hausnote kann ich nicht erkennen. Im zweiten Drittel der Füllung kommen Holznoten dazu. Im dritten Drittel erscheint der Tabak ein wenig bissiger und sättigt, bleibt aber dennoch – verglichen mit mehr Virginia-haltigen Mischungen – insgesamt sanft. Der Abbrand ist problemlos, man kann die Füllung in einem Zuge durchrauchen, aber auch Wiederentzünden bleibt ohne böse Folgen.
Insgesamt eine gute Standardmischung der erweiterten englischen Art. Aufgrund des von mir vermuteten Cavendishs tippe ich auf Dunhill Aperitif, es ist aber auch Dunhill MM 965 möglich.

Matthias:

Tabak Nr. 1
Der Duft dieses Tabaks ist extrem rauchig und würzig und erinnert mich an eine Kombination aus verkohltem Holz und geräuchertem Schinken. Der Mischung setzt sich aus tiefschwarzen, recht feinen und kurzen, sowie längeren, grob geschnittenen, dunkelbraunen Tabakfasern zusammen.
Das dominierende rauchige Aroma setzt sich auch fort, wenn der Tabak in der Pfeife glimmt. Ich nahm einen leichten Geschmack nach Karamell wahr und ab und an kam es mir vor, als würde der Rauch eine leichte, aber nicht durchgängige Weihrauchnote haben.
Da ich mir vorgenommen habe, die Verkostung der Tabake in Pfeifen ohne Filter durchzuführen, benötigte ich bei diesem Tabak mehrere Anläufe, bis er seine „Betriebstemperatur“ erreicht hatte und nur noch ein Häufchen feiner grauer Asche übrig blieb.
Eine ordentliche Portion Latakia ist hier für die extrem rauchige Note des Tabaks verantwortlich, die leichte Süße wird wohl durch Virginiatabake beigesteuert.
Ich kann nicht sagen, um welchen Tabak es sich handelt. Er ähnelt etwas den von mir bereits gerauchten Dunhill-Tabaken „Durbar“ und „Nightcap“, aber beide weisen nicht das Tabakbild und die Intensität des rauchigen Aromas auf. Eins weiß ich aber, sofern das Geheimnis gelüftet ist, wird er auf meiner Liste stehen.

Jan:

Liebe Freunde der Tabakpfeife, werte Tabak-Connaisseure,
hier mit präsentiere ich meine Eindrücke des von Axel durchgeführten Blindreviews.
Als der Umschlag mit den drei Tabakbeuteln in meinem Briefkasten lag, stellte ich mir die Frage, ob der Postbote irgend eine Form des Schutzes für seine Riech- und Atemorgane benutzt hatte - denn aus dem Kuvert kam ein sehr dominanter Geruch, der sicher nicht jedem gefällt.
Diese und die folgenden Zeilen sind der Versuch, die mir unbekannten Tabake so genau (und kompentent klingend) wie möglich zu beschreiben. Ich bitte um Nachsicht, dass es mir nicht gelungen ist, Geschmack und Geruch genauer zu beschreiben - die in einem vergangenen Post beschriebene Einschränkung meinerseits ist immer noch vorhanden. Die Tabake wurden jeweils ohne Filter genossen. Um jeweils andere Bedingungen bezüglich Kammervolumen, Pfeifenform etc zu schaffen, habe ich versucht, für jeden der zwei Verkostungsdurchgänge pro Tabak eine andere "Hardware" zu benutzen.


Tabak Nr. 1
Das Beutelchen mit der Nummer 1 drauf präsentierte einen dunklen, fast schwarzen und fein geschnittenen Tabak, dessen Geruch bereits im Postkuvert alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Nach ein paar Tagen in meinem Schrank für die Rauchutensilien überlagerte die Numero Uno alles Andere. Der geöffnete Beutel entließ einen strengen, definitiv nicht partnerinnen-tauglichen Geruch. Beim intensiveren Inhalieren des reinen Tabaks hatte ich im ersten Moment den Eindruck, als wäre eine Spur von Menthol oder Minze vorhanden. Diesen Eindruck musste ich dann aber bei weiteren Riechproben verwerfen.
Den ersten Rauchdurchgang bestritt ich mit meiner Angelo, den Zweiten in meiner Big Ben. Der Tabak ließ sich aus meiner Sicht ganz normal entzünden und zeigte diesbezüglich keine Auffälligkeiten. Es entfaltete sich ein kräftiger Geschmack, den ich trotz seiner Dominanz als sehr angenehm empfand. Aus meiner Sicht entstand beim Rauchen etwas überdurchschnittlich viel Rauch (falls das möglich ist). Betonen möchte ich noch, dass ich beim Rauchen von Tabak Nummer 1 zu keinem Zeitpunkt Zungenbrand hatte.
Nach dem Räumen der Pfeife blieb jeweils feine, fast schwarze Asche zurück.

Auf Grund des dominanten Geruchs und der sehr dunklen Farbe würde ich tippen, dass es sich bei dem Probanden um eine englische Mischung, zumindest aber um einen Tabak mit hohem Latakia-Anteil handelt.
Trotz des Geruchs und des kräftigen Geschmacks für mich ein sehr angenehmer Zeitgenosse.


Auflösung: es handelt sich bei dem schwarzen Kraut um einen Tabak aus dem Hause HU-Tobacco. Es ist der "The Khoisaan" aus der Serie foundation by Musico.
Herstellerbeschreibung: Flavor: Nature: The Khoisaan - ist ein schwarzer, vollwürziger Latakiablend. Rauchig cypriotischer Latakia ist abgemischt mit reichlich Louisiana Perique und kräftigem firecuredVirginia aus Tansania . Das Ergebnis ist ein vollwürziger gehaltvoller Blend mit hintergründigen Holz- und Fruchtnoten. The Khoisan - eine komplexe Mischung für den erfahrenen Raucher. Latakia Anteil 59%
Stärke 5
Geschmack/Aroma -
Skala 1 (leicht) - 6 (stark)


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