Aktivkohlebewertung?

Re: Aktivkohlebewertung?

Beitragvon rolf » Do 11. Jun 2015, 08:54

Hallo Andy,

herzlich willkommen hier bei den Freunden der Tabakpfeife. Vielleicht stellst Du Dich kurz vor?
http://www.fdt.dsky-web.de/viewforum.php?f=35

Zu Deiner Frage: ich bin sowohl-mit-als-auch-ohne-Filter-Raucher und habe schon einige Filtersorten ausprobiert. Filter von Dunhill sind mir allerdings neu, aber ich lerne gern dazu :) Leider habe ich die Erfahrungen nicht systematisch notiert, Ich habe allerdings bei verschiedenen Filtern unterschiedliche Zugwiderstände festgestellt. So scheinen z.B. die Vauen-Filter und die White Elephant-Meerschaum-Filter sehr dicht gefüllt zu sein und erzeugen relativ schnell einen hohen Zugwiderstand, während die Stanwell-Filter eher geringen Zugwiderstand hervorbringen. Andere Sorten liegen meiner Meinung nach irgendwo dazwischen. Papierfilter, z.B. auch von Vauen leifern eigentlich keinen zusätzlichen Zugwiderstand, filtern dann aber auch nur Kondensat, ähnlich wie die Savinelli Balsaholz-Filter. Speziell zu den Magne Falkum-Filtern kann ich jetzt nichts sagen.

Es gab auf der leider Geschichte gewordenen DAFT-Seite einmal einen Filtertest von Martin Steinthaler, den ich hier zitiere:
Martin Steinthaler
Die Methode ist denkbar einfach gehalten um, für mich eine solide Basis zu schaffen auf Grund derer ich die Wirkungsweise beurteilen kann. Ich habe eine Pfeife von meinen selbstgemachten genommen und zwei Mundstücke dafür gemacht. Ein MS mit Filterkammer und eines ohne. Dann habe ich die Pfeife mit den dementsprechenden Filtern oder Kristallen geraucht und die Wirkungsweise beurteilt. Alle Filter bzw. Gimmicks wurden mindestens 3 Mal verwendet um wenigstens einen Mittelwert zu bekommen. Der ganze Test läuft bei mir schon so ca. 2-3 Monate und wurde immer "fachmännisch" mitdokumentiert. Sogar auf Bierdeckel hab ich noch einige Testergebnisse. Ein paar Aufzeichnungen konnte ich jedoch am nächsten Morgen nicht mehr richtig lesen, also musste ich sie streichen :-) Der Tabak war immer derselbe "Dunhill 965" weil er schmeckt und von Schnitt und Feuchtigkeit im Durchschnitt liegt.
Getestet habe ich:
Vauen Aktivkohle 9mm
Stanwell Aktivkohle 9mm
Standard Aktivkohle 9mm ungebleichtes Papier (Keramikkappen 5 Loch)
White Elephant Aktivkohle Filter 9mm
White Elephant Meerschaum Filter 9mm
Vauen Papierfilter 9mm
Savinelli 9mm Balsaholz Filter
Heibe Papierfilter für Filterlose Pfeifen
Meerschaumgranulat für den Pfeifenkopf Denicool Kristalle
Zigarettenpapierkugel in den Pfeifenkopf
Zusammengefasste Testergebnisse: (rein subjektiv natürlich)
Vauen Aktivkohle 9mm
Mein erster Filter überhaupt. Die blaue Kappe hat Nachteile, weil man immer kontrollieren muss wie der Filter in der Pfeife ist. Habe allerdings auch keine Probleme mit umgedrehtem Filter gehabt. Geschmack ist gedämpft. Kommt nicht so klar heraus. Nur bis zur Mitte der Pfeife wirklich brauchbar. Relativ hoher Zugwiderstand (ähnlich den 4 Loch Keramikkappen). Dadurch höhere Kondensatbildung. Leicht chemischer Geschmack gegen Ende der Pfeife vor allem wenn die Kohle voll mit Kondensat ist. Die Geschmackseinbuße ist bei Vauen am höchsten, was wiederum auf die hohe Qualität der Aktivkohle zurückführen ist. Naja guter Filter, da er echt alles rausnimmt was es so im Rauchstrom gibt :-) Allerdings nimmt er zuwenig Kondensat auf und hat einen zu hohen Zugwiederstand.
Stanwell Aktivkohle 9mm
Der Stanwell hat etwas weniger Kohle im Filter und nach innen gekeilte Keramikkappen. Die Zuglöcher sind lang und liegen schräg zum Rauchstrom. Er hat weniger Zugwiderstand und gröbere Kohleteilchen. Geschmacklich nimmt er weniger weg als der Vauen und durch den geringeren Zugwiderstand bildet sich auch weniger Kondensat. Mir persönlich ist dieser hier angenehmer als der Vauen. Zudem ist der chemische Geschmack nicht zu spüren beim Stanwell und er hat auch die ganze Pfeife hindurch kaum bis keine Nebeneffekte. Die Kondensataufnahme ist nicht besser oder schlechter als beim Vauen aber es fällt einfach weniger an.
Mein Tipp bei Aktivkohle Filtern.
Standard Aktivkohle 9mm ungebleichtes Papier (Keramikkappen 5 Loch)
Diese Filter haben viele Pfeifengeschäfte mit ihrem eigenen Logo im Aufdruck, aber sie sind sich alle sehr ähnlich. Es gibt 4 und 5 Lochvarianten wobei ich mir die 4 Löcher immer gespart habe. Die Filter haben zwei Keramikkappen und sind mit ungebleichtem Papier umhüllt. Innen sind die Kohlepartikel so ähnlich wie beim Vauen Filter und schon kleiner als bei Stanwell. Geschmacklich liegt er etwas über dem Vauen. Wahrscheinlich ist die Kohle nicht so gut und lässt mehr Rauchinhaltsstoffe durch. Die Saugfähigkeit ist eigentlich gut und IMO etwas besser als beim Stanwell und beim Vauen. Die Umhüllung kommt mir allerdings etwas dicker vor. Der Zugwiderstand liegt genau zwischen dem Vauen und dem Stanwell. Ein anständiger Filter der nur gegen Ende ein wenig bitter schmeckt. Vor allem, wenn er zu nass geraucht wird. Immerhin finde ich ihn besser als den Vauen :-)
White Elephant Aktivkohle Filter 9mm
So wie die Standard Filter ist der White Elephant Aktivkohle Filter mit Keramikkappen versehen und hat nur im Gegensatz rein weises Papier als Umhüllung. Wenn man aber die Filter öffnet sieht man schon einen Unterschied. Die Kohleteilchen sind kompakter und etwas größer. Er hat gerade dadurch auch weniger Zugwiderstand als der Standard und kommt dem Stanwell am nächsten. Die Saugfähigkeit ist am besten bei den Kohlefiltern. Geschmacklich ist er dem Stanwell gleichzusetzen, hat aber einen kleinen Nachteil. Er verändert den Geschmack ein wenig gegen Ende, was der Stanwell nicht tut.
White Elephant Meerschaum Filter 9mm
So nun endlich weg von den Kohlefiltern und hin zu den Alternativen. Die Meerschaumfilter von WE sind rein äußerlich kaum von den Kohlebrüdern zu unterscheiden aber die inneren Werte sind doch ganz verschieden. Der Filter ist mit Meerschaumgranulat gefüllt und die einzelnen Stücke sind durchwegs grober als bei den gröbsten Kohlefiltern. Das hat geringeren Zugwiderstand zur Folge und auch etwas weniger Kondensat. Der geschmackliche Unterschied ist aber schon gewaltig. Hier schmeckt man zwar immer noch einen gewissen Filtereffekt aber doch schon wesentlich mehr vom Tabak. Ich habe diesen Filter anfangs nicht so sehr geschätzt aber im Laufe der Zeit wurde er mir immer angenehmer. Das Zungenbrandverhalten wird durch Kohlefilter am besten genommen, aber der Meerschaumfilter ist eine gelungene Kombination aus Geschmack- und Zungenbrandvermeidung :-) Die Kondensatbildung ist so wie bei Stanwell, aber IMO fängt dieser Filter die Feuchtigkeit am besten ein. Einziger leichter geschmacklicher Nachteil ist ein manchmal wahrzunehmender leichter Kreidegeschmack. Der aber nur vom Meerschaumstaub, der noch an der Filtereinlagen klebt, verursacht wird.
Mein Tipp bei "nicht" Aktivkohle Filtern.
Vauen Papierfilter 9mm
Nun geht es immer mehr in Richtung ungefiltert. Der Papierfilter von Vauen ist rein geschmacklich "eigentlich" kein Hindernis. Allerdings nur am Anfang und etwa bis Mitte der Pfeife. Danach ist das Papier eventuell vollgesaugt und der Tabak fängt bitterer zu schmecken an. Nachteil zwei ist, dass man die Pfeife dann nicht mit Putzer vom Kondensat befreien kann und auch auseinandernehmen sollte man sie nicht. Bei gut eingerauchten Pfeifen mit viel Kohleschicht ist der Vauen Papier viel besser einsetzbar. Da fällt gar nicht soviel Kondensat an und der Filter ist oft auch zum Schluss noch nicht voll. Dann funktioniert er sehr gut. Zungenbrand hemmt er eigentlich nicht, aber man kann sich an ohne Filter rauchen gewöhnen, nur halt mit kleinen Nachteilen :-) Zugwiderstand gibt es nicht. Ich habe keine Ahnung, ob der Papierfilter wirklich oft verwendet wird. Eventuell kann man ihn einsetzten wenn man zwar ohne raucht, aber noch viele Pfeifen mit Filterbohrung besitzt. Dann fällt beim Putzen etwas weniger Arbeit an. Ansonsten ist er nicht mein Fall.
Savinelli 9mm Balsaholz Filter
Wieder ein Exote :-) Der Balsafilter hat eigentlich durchwegs die gleichen Eigenschaften und Nachteile die der Papier Filter auch hat. Nur nimmt er etwas mehr Kondensat auf. Das Einbringen und Herausnehmen aus der Pfeife ist jedoch immer eine Katastrophe. Wer schon mal den feuchten Finger, mit dem er den Filter entfernt hat, später zum Nasenbohren eingesetzt hat, weiß wovon ich spreche :-) Ich habe ca. 20 dieser Hölzer versucht und sie sind IMO besser als die Papierfilter, aber wirklich Freunde werden wir nicht. Da sind die Papier Brüder schon pflegeleichter.
Heibe Papierfilter für Filterlose Pfeifen
Heibe hat einige Papierfilter für Normalbohrung. Ich habe es echt versucht mit diesen Dingern zu Rauchen, aber hatte ernste Schwierigkeiten. Zugwiderstand wie durch einen Feuerwehrschlauch und nach 5 Minuten feuchte Filter. Nein, das kann es nicht sein. Ich habe keine Verwendung für diese Art von Papierrollen.
Meerschaumgranulat für den Pfeifenkopf
Neben den Filtern gibt es auch noch einige andere Möglichkeiten dem Kondensat Herr zu werden. Meerschaumgranulat für den Pfeifenkopf. Man legt einfach 3-5 kleine Stücke in den Kopf und stopft darüber ganz normal den Tabak in die Pfeife. Zugwiderstand = kein Unterschied zu OF. Geschmacklich eigentlich auch nicht. Leichte Meerschaum - kreidige Anfälle hatte ich nur ganz am Ende wenn die Einlage schon voll mit dem Tabak in Berührung stand. Ein Vorteil ist, dass der Tabak bis zum Ende hin nicht viel mit dem Kondensat in Berührung steht. Das hat fast schon Vorteile, wenn man den Tabak bis zum Ende raucht. Die Qualität bleibt eigentlich recht gut. Das Kondensat wird aber nicht zur Gänze von dem Granulat aufgenommen und setzt seinerseits wieder den Pfeifenboden ganz schön zu. Der hat nun viel Feuchtigkeit aufzunehmen, kommt aber nicht zu einer Kohleschicht. Zumindest nicht so schnell wie "normal". Das Granulat ist IMO am besten bei zu hoch gebohrten Rauchkanal einsetzbar. Ich hab mir selbst mal so eine gebaut (unabsichtlich) und ich rauche sie nur mit Granulat. Sie hat schon eine Schicht am Boden aber halt nur sehr karg :-) Richtig trocken ist sie auch mit dem Granulat nicht.
Mein Tip bei Kopfeinlagen.
Denicool Kristalle
So wie das Meerschaumgranulat funktionieren auch die Denicool Kristalle. Sie nehmen nur weniger Feuchtigkeit auf und schmecken ein wenig nach Süßstoff :-) Ich habe zumindest das Gefühl, hier ist etwas in der Pfeife, das ich nicht da drinnen haben will!! Kein gelungener Artikel!!
Zigarettenpapierkugel in den Pfeifenkopf
Im Pipe & Cigar habe ich's gelesen und dann musste ich es natürlich testen. Eine Zigarettenpapierkugel in den Kopf und darüber gestopft. Funktioniert ganz gut und ist billig. Nimmt eigentlich mehr Kondensat auf als ich gedacht habe und macht einen guten Zug. Fast schon zu gut. Nachteil ist nur, wenn man den vollgesaugten Ball dann unter Glut stellt und man glaubt, man hätte ein armes Tier mit in die Pfeife gestopft. Auf jeden Fall weiß man dann die Pfeife ist aus!! Ist sicher auch eine Möglichkeit, dem Kondensatteufel zu Leibe zu rücken aber ob es DIE Lösung ist????
Fazit
Aus all den Testserien bei denen mich Zago (ein Freund) so herrlich unterstützte, kam ich zur folgenden Erkenntnis.
Filterrauchern kann ich die Stanwell Kohle empfehlen und die White Elephant Meerschaum. Balsa und Papier sind nicht ganz das Gelbe vom Ei, da raucht Ihr besser gleich ohne!!!
Nachteile. Filter machen mehr Arbeit! Beim Putzen, Kaufen und Transportieren. Nehmen erheblichen Einfluss auf das Rauchverhalten und den Geschmack der Pfeife und des Tabaks. Manche Filter sind unter Umständen sinnvoll einzusetzen und helfen ein wenig über etwaige Probleme (Einrauchen, kleine Risse mit Meerschaumgranulat bekämpfen etc...) hinweg.
Je mehr ich jedoch Filter getestet habe umsomehr sind mir meine filterlosen Pfeifen als die einzig richtigen für mich vorgekommen. Man gewöhnt sich an die Art zu Stopfen und die Art zu Rauchen ohne Filter recht schnell und wenn man es einmal richtig genießen kann, dann geht man nicht mehr zurück. Dann kommt einem jedes Hilfsmittel als Krücke vor :-) Kondensate kann ich am besten mit einem Pfeifenreiniger entsorgen und habe nie das Gefühl, am Dampf vorbeizurauchen. Die Pflege der Pfeife ist nicht so aufwendig (für die Faulen wie mich)!! Und wenn man verreist, hat man ein Gimmick weniger zu vergessen. Nur hin und wieder, wenn mich mal ein Tabak so wirklich ernsthaft beißen will, dann kommt halt eine Pfeife mit Filter her und ein Meerschaum 9mm zum Einsatz.
Im Allgemeinen bleibe ich jedoch beim OHNE FILTER Rauchen!


Beste Grüße

Rolf :)
Bevor man eine Frage beantwortet, sollte man immer erst eine Pfeife anzünden. Pfeiferauchen trägt zu einem einigermaßen objektiven und gelassenen Urteil über menschliche Angelegenheiten bei.– A. Einstein Bild
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Re: Aktivkohlebewertung?

Beitragvon Kelvin » Do 11. Jun 2015, 10:16

Hallo Andy,

den Filtertest den Rolf dankenswerter Weise da zitiert habe ich früher zu DAFT-Zeiten verschlungen. Für mich hat der ein neues Genusslevel geöffnet. Mittlerweile rauche ich zu 50% ofi aber wenn ich Filter nehme dann immer die Aktivkohle Filter von Stanwell. Einfach ein guter Kompromiss bei minimaler -geschmacklicher- Beeinträchtigung.

Vielleicht eines noch, weil es noch nicht explizit beantwortet wurde: JEDEN FILTER KANN MAN NUR EINMAL VERWENDEN!!!
Egal welchen Du nimmst, nachdem Rauchopfer muss er raus und die Pfeife muss 24 Stunden ruhen und trocknen. Nachdem Pfeife reinigen und vor dem neuentzünden kommt dann ein frischer Filter rein.

Viel Genuss,
Kelvin
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