Estates und verfärbte Mundstücke

Gebrauchte Pfeifen. Für und wieder und Quellen

Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Lars » Mi 27. Mär 2013, 10:56

Hallo ,

Ich habe eine Frage, die Estatepfeifen betrifft . Ich habe nun diverse Estates gekauft. Alle waren aufbereitet, gereinigt und desinfiziert. Alle machte einen sehr guten Eindruck ( soweit ich das beurteilen kann ).

Nach ein paar Rauchvorgängen fingen sich bei ein paar Pfeifen die Mundstücke an bräunlich zu verfärben .
Es sieht sehr unansehnlich aus und dämmen natürlich die Freude an diesen Estates ziemlich ein.

Nun keine Fragen :

Liegt es an der Aufarbeitung ? Wurden die Mundstücke nur " kurz" aufgeschönt und gut ist ?
Oder gibt es Verfärbungen, die sich nicht mehr wegoperieren oder Schleifen lassen.

Kann ich diese selber wegschleifen , ggf. Habt ihr Tipps wie ich das mache ? Oder sollte ich diese noch einmal gesondert aufarbeiten lassen oder ersetzen ?

Grüße an alle
Lars
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Kelvin » Mi 27. Mär 2013, 11:09

Hej Lars,

vermutlich handelt es sich bei den Mundstücken um Ebonit-Mundstücke. Ein Bild wäre hier hilfreich.

Wenn es Ebonit ist, dann ist die Verfärbung eher normal. Es liegt an dem Schwefelanteil im Ebonit. Dieser oxidiert irgendwie an der Luft und lässt es gelblich oder grünlich aussehen (manchmal stinkt es sogar oder schmeckt fies!). Das ist wie gesagt ziemlich normal und passiert immer. Bei billigem ebonit eher, bei teurem dann später. Ich habe eine sauteure (für meine Verhältnisse) Pfeife eines deutschen Pfeifenkünstlers die genau nach einem Tag beim Mundstück so anläuft, dass sie aussieht als wäre sie nie gereinigt worden. Daher verbaue ich auch kein Ebonit, aber es gibt auch sehr gutes und da geht es besser......

Nun aber zu Deinen Fragen:

Es liegt also nicht an der Aufbereitung und lässt sich nicht vehindern.

Diese Verfärbungen lassen sich wegpolieren: Du benötigst einen Polierbock oder ähnliches mit entsprechenden Scheiben und Polierpasten. Im Internet findest Du auch Anleitungen zum Einsatz von Chemikalien, die den Schwefel aus dem Mundstück lösen.

Insgesamt wird das aber bei Ebonit halt immer wieder mal passieren. Wenn Dir also der Komfort beim Biss auf das Mundstück nicht soooo wichtig ist (Ebonit ist in der Regel weicher als Acryl) dann hilft nur darauf zu achten das man Pfeifen mit Acrylmundstück kauft.

Viele Grüße,
Kelvin

edit sagt PS: Ich glaube ich habe das chemisch falsch ausgedrückt....Der Schwefel ist vermutlich nicht im Ebonit enthalten sondern bildet sich ggfls. erst durch die Verbindung mit Sauerstoff??? Vielleicht hilft hier einer der in Chemie aufepasst hat. Ist aber auch egal, denn es kommt aufs Selbe raus ;)
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Petephil » Mi 27. Mär 2013, 19:48

Also normalerweise, wenn man sie gut bearbeitet hat und poliert, hat man auch wieder einige Zeit Ruhe und es verfärbt sich auch nichts. Dazu muss aber auch diese helle Schicht weg. Ist nur drüberpoliert, klar, dann kommt das schnell wieder hervor.

Es gibt im Netz einige gute Anleitungen wie man das ganze angeht, im Kopf hab ich jetzt bloss nicht wo. Ich schmiergel mit Dremel das braune Zeuchs weg, kann man auch von Hand mit feinem Sandpapier. Danach geht's dann eben an's Polieren und das kann von Hand schon ein bissi dauern. Ich polier mit dem Dremel, das geht wunderbar, wenn man es gewohnt ist. besser ist sicher eine polierscheibe für eine bohrmaschine oder dann ein polierbock, wenn man sich so einen zulegen mag!

ich hoffe Du hast Erfolg. Meine Estates haben bisher nichts mehr von Braun gezeigt...
------------------
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Lars » Mi 27. Mär 2013, 21:05

Hallo Kelvin, hallo Phill,

Danke für Eure Antworten. Ich denke, ich versuche erst einmal es abzuschleifen und dann zu polieren.
Ich fange erst mit einer nicht so Geliebten Pfeife an und dann mal schauen.

Habe einen Polierblock . Das wir schon klappen.

LG
Lars
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Kelvin » Mi 27. Mär 2013, 22:16

Hej Lars,

sehr gut, dass Du einen Polierblock hast. Hast Du das grobe braune Wachs? Das kannst Du vorsichtig verwenden, weil es viel Material abnimmt. Bei allem was Du am Mundstück machst musst Du bedenken, dass hinterher die Verschachtelung noch passen muss!

Viel Erfolg,
Kelvin
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Lars » Do 28. Mär 2013, 08:46

Hey Kelvin,

Ich habe braunes Wachs von Ebonit Polish.

Meinst du das ?

Ansonsten muss ich mir noch was anderes besorgen.

LG
Lars
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Qualmipaule » Do 28. Mär 2013, 13:46

Hallo Lars,
Kelvin meint bestimmt dies:
http://www.zujeddeloh.de/produkte/golds ... -_587.html
Viel Erfolg
Uwe
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Kelvin » Do 28. Mär 2013, 15:07

Hej Uwe,

ja! Genau die meine ich. Danke!

Gruß Kelvin
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon rolf » Do 28. Mär 2013, 15:26

Hallo zusammen,

falls noch jemand an der Ausfällungskinetik des Schwefels interessiert ist, will ich mich mal an einer möglichen Theorie versuchen. Also: Ebonit wird aus Naturkautschuk und Schwefel durch Vulkanisierung hergestellt. Eine Darstellung dazu findet sich auf Wikipedia. Ein wenig zur Vulkanisierung kann man dort auch nachlesen. Soweit die Bücherkunde.

Meine Vermutung nun: im zweiten Link wird erwähnt, dass die Härte des Materials abhängig von der Anzahl (Dichte) der Schwefelbindungen ist. Eine hohe Anzahl von solchen Schwefelbrücken kann man durch hohe Beigabe von Schwefel erreichen, alternativ durch behutsame Vulkanisierung bei relativ niedrigen Temperaturen, allerdings langen Vulkanisierungszeiten. Liegt das Naturmaterial mit relativ wenigen C=C- Doppelbindungen vor, so muss man viel Schwefel beigeben. Hierdurch erklären sich (vermutlich) die Qualitätsunterschiede beim Ebonit.
Dieser (überzählige) Schwefel ist es, der durch sichtbares Licht- und UV-Einfluss wieder an die Oberfläche wandert (quasi "ausfällt") und dort für den unschönen Belag sorgt. Es ist weiterhin möglich, dass durch die Verarbeitung des Materials der Ausfällungsprozess beschleunigt wird, insbesondere wenn ein zu hohes Temperaturbudget gefahren wird.
Soweit meine Vermutung. Werkstoffler können da sicher eingehender berichten.
Das schwefelige Material sollte nun abgetragen werden, daher die Verwendung eines Poliergerätes. Im Laufe der Zeit wird das Material allerdings durch den fehlenden Bindungsschwefel spröde.

Ist nur ein oberflächlicher Ausflug in die Kunststoffchemie, noch dazu von einem Nicht-Fachmann. Ich will's damit auch gut sein lassen, bevor ich mich hier in irgendwas verrenne (zum Gaudium vielleicht der fachlich versierteren).

Beste Grüße

Rolf
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Rainer K » Do 28. Mär 2013, 23:48

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rolf Ö.,

Physikern ist es schon immer erfolgreich gelungen, Chemiker derart zu verunsichern, so daß es Werkstoffkundler gar nicht mehr verstehen... :o :lol:

@ Lars: Der Tipp mit der braunen Polierpaste ist richtig und wertvoll - aber nur die halbe Miete... !
Erfolgversprechend wird die Aufarbeitung, wenn du vor dem Vor(!)-Polieren mit dem braunen Riegel, das Mundstück mit Naßschleifpapier Körnung 600 oder 800 vorsichtig (!) vorschleifst.
Du wirst sehen dass die Brühe erst mal "schmutzig" aussieht... und es untendrunter immer "schwärzer" wird.
Danach polierst du mit "Braun" vor.
(Dabei den Holm mit Tesa oder Malerkrepp schützen)
Danach Wachs und Polierreste mit Tuch u. evtl. bissel Sidolin entfernen.
Damit ist aber noch nicht Schluss (!), denn mit "Braun" stellt sich noch kein richtiger Hochglanz ein.
Deshalb "Abglänzen" mit z.B. "Beige" des gleichen Herstellers.
Das sollte bei gutem Ebonit reichen. Das Mundstück glänzt nun tiefschwarz, die Oberfläche ist relativ "dicht", und wird bei entsprechender Pflege auch lange so bleiben.
(Ebonitmundstücke sind "lichtscheus Gesindel", also niemals lange direktem Sonnenlicht aussetzten ! )
Evtl. kannst du noch mit "Blau" ein Superfinish erzeugen.
Ganz wichtig ist natürlich, daß du für die jeweiligen Polierriegel eine eigene Polierscheibe verwendest, sonst gibt es "Verschleppungen" des Polierkörpers.

Viel Erfolg und LG,
Rainer
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon rolf » Fr 29. Mär 2013, 10:04

Hallo Rainer,

Rainer K hat geschrieben:Sehr geehrter Herr Prof.=NEE Dr. Rolf Ö., :)

Physikern ist es schon immer erfolgreich gelungen, Chemiker derart zu verunsichern, so daß es Werkstoffkundler gar nicht mehr verstehen... :o :lol:


Du wärest erstaunt, wie oft ich selbst bei Ex(perimental)physikern zur vollständigen Verwirrung beitrage. und nicht immer absichtlich :lol:

Beste Grüße

Rolf

P.S.: ich kann auch einfach, aber erst nach 2 Bier (ein kleines und ein Eimer :lol: )
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon Rainer K » Fr 29. Mär 2013, 13:53

Hi Rolf,

:lol: :lol: :lol:
...Professorentitel hab ich auch schon so manchem Kollegen verliehen - ich mach das immer so ! 8-)

Schöne Ostern und LG,
Rainer
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Re: Estates und verfärbte Mundstücke

Beitragvon SoftCoated » Mo 16. Mai 2016, 10:45

Hier eine - selbst ausprobierte - Methode zum Reinigen von Ebnit- (und Acryl) Mundstücken:

Steht bei den Freunden von Pfeife und Tabak unter "Ebonit mundstücke schnell reinigen"

Hier der Link: http://www.pfeife-tabak.de/phpbb3/viewt ... =4&t=10020

Funktioniert hervorragend - evtl. werden gebogene Mundstücke wieder gerade - dann leicht mit dem Fön anwärmen und wieder in Form bringen.
- das hilft übrigens auch, wenn die Oberfläche der Mundstücke "raupelig" wird - erwärmen, abkühlen und etwas polieren - fertig - geht auch mit dem Dremel.

Glück auf und gutes Gelingen
... wer Fehler findet.... darf sie behalten,
... und ... es ist nie zu spät, sie zu korrigieren... :-))
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